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Ekstase
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Ekstase (altgriechisch ጔÎșστασÎčς Ă©kstasis „das Außersichgeraten, die VerzĂŒckung“; von ጐΟ-ÎŻÏƒÏ„Î±ÏƒÎžÎ±Îč ex-hĂ­stasthai „aus sich heraustreten, außer sich sein“), frĂŒher auch als VerzĂŒckung bezeichnet, ist ein in der Religionswissenschaft und Psychologie verwendeter Begriff. Ekstase ist eine Sammelbezeichnung fĂŒr besonders intensive psychische Ausnahme-ZustĂ€nde (Transzendenzerfahrungen), die einer Trance Ă€hneln oder durch eine solche entfesselt werden. Sie werden von den Betroffenen als dramatische ZustandsverĂ€nderungen des Bewusstseins beschrieben.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]

Das Bewusstsein wird ihren Angaben zufolge wĂ€hrend der Ekstase als „erweitert“ oder „erhöht“ erlebt. Durch diese Erweiterung oder Erhöhung erhĂ€lt der Betroffene (oder auch ein ihn Beobachtender) den Eindruck, er sei „außer sich“ oder „nicht bei sich“. Damit ist gemeint, er sei aus dem Bereich seiner vertrauten Umwelt und des normalen Wahrnehmungsvermögens herausgetreten und in einen Bereich andersartiger Wahrnehmungsmöglichkeiten eingetreten. Der Historiker Peter Dinzelbacher beschreibt Ekstase als das „Heraustreten der Seele aus dem Körper bei gleichzeitiger Suspendierung der Sinneswahrnehmungen“ und im weiteren Sinne um einen „rauschartigen Erregungszustand mit gemindertem Bewusstsein“.cite-ref-3[3]

WĂ€hrend der Ekstase erscheint dieser andere Bereich dem Betroffenen nicht nur als völlig real, sondern als die einzige RealitĂ€t. Auch rĂŒckblickend pflegen Ekstatiker das in der Ekstase Erlebte fĂŒr bedeutender, wertvoller und wirklicher als die Alltagswelt zu halten. Religiöse Ekstatiker interpretieren und bewerten ihre ekstatischen Erlebnisse im Kontext ihres jeweiligen religiösen Weltbilds. Das „Außersichsein“ wird in manchen FĂ€llen auch buchstĂ€blich im Sinne eines örtlichen Heraustretens der Seele aus dem Körper aufgefasst.

Contents

‱ Ziele
‱ Schamanen
‱ Judentum
‱ Islam
‱ Hinduismus
‱ Buddhismus
‱ Christentum
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Begriffsgeschichte

In der griechischsprachigen Welt der Antike verstand man unter ekstasis generell das Erlebnis des „Heraustretens“ im Sinne von Außersichsein. Dazu gehörten insbesondere auch ZustĂ€nde der religiösen Raserei und RauschzustĂ€nde, die angestrebt und oft kollektiv erlebt wurden.

Das griechische Wort ekstasis wurde von den lateinischsprachigen antiken KirchenvĂ€tern als Fremdwort ins Lateinische ĂŒbernommen (ecstasis, in vulgĂ€rlateinischer Schreibung auch exstasis oder extasis). Im Mittelalter und in der FrĂŒhen Neuzeit waren die damit verbundenen Vorstellungen von der populĂ€ren hagiographischen Literatur (Lebensbeschreibungen von Heiligen) geprĂ€gt. Die meist ursprĂŒnglich lateinisch geschriebenen Biographien der Heiligen wurden in die verschiedenen Volkssprachen ĂŒbersetzt. So kam das Wort als extase ins Französische.

Im Deutschen wurde das Wort in der FrĂŒhen Neuzeit zunĂ€chst nur als lateinischer Fachausdruck ecstasis verwendet und mit „VerzĂŒckung“ ĂŒbersetzt. Erst im spĂ€ten 18. Jahrhundert bĂŒrgerte es sich im Deutschen als „Ekstase“ oder (hĂ€ufig) „Extase“ ein, wobei den Anstoß neben dem lateinischen auch der französische Begriff gab. Neben die traditionelle religiöse Bedeutung (Ekstase der Heiligen) trat ab der Mitte des 17. Jahrhunderts unter dem Einfluss der französischen Begriffsverwendung eine ĂŒbertragene Bedeutung: Ekstase als gesteigerte, schwĂ€rmerische Freude, Bewunderung, Begeisterung und EntzĂŒckung, als rauschartiger Überschwang (Euphorie), besonders im Bereich von Kunst und Dichtung, aber auch in Freundschaft und Liebe. Solche GemĂŒtsbewegungen wurden in der Epoche der Empfindsamkeit besonders geschĂ€tzt und betont. Ab dem spĂ€teren 18. Jahrhundert wurde das Adjektiv „ekstatisch“ („begeistert, verzĂŒckt, ĂŒberschwĂ€nglich, schwĂ€rmerisch“) gebrĂ€uchlich. Im 19. Jahrhundert wurde dazu das Substantiv „Ekstatiker“ gebildet.cite-ref-4[4]

In diesem Sinne wird auch in der heutigen Umgangssprache als Ekstase ein Zustand stark gesteigerter freudiger GefĂŒhlserregung bezeichnet, insbesondere ein außergewöhnliches Staunen mit Bewunderung und Begeisterung. Man verwendet den Begriff in einem ĂŒbertragenen und abgeflachten Sinn, wenn man sagt, dass jemand „in Ekstase gerĂ€t“, ohne dass damit ein Übersteigen des Bereichs normaler WahrnehmungsfĂ€higkeit gemeint ist. Damit kann auch eine negative Konnotation verbunden sein, wenn die Umwelt das Erlebnis als abnormal und ĂŒbersteigert oder sogar als krankhaft wertet.

Im modernen religionswissenschaftlichen Sprachgebrauch hingegen bezeichnet man als Ekstasen nur außerordentliche religiöse ErfahrungszustĂ€nde.

BegĂŒnstigende oder herbeifĂŒhrende Faktoren

Das Auftreten ekstatischer Erlebnisse kann sowohl durch Minderung (BeeintrĂ€chtigung oder Ausschaltung) normaler Funktionen des menschlichen Organismus und Reizarmut als auch durch Steigerung Ă€ußerer Reize herbeigefĂŒhrt oder begĂŒnstigt werden.

Zur Minderung gehören Askese, Isolation, Reizdeprivation (z. B. im Isolationstank), Krankheit, Fasten, anhaltendes Gebet und Meditation. Auch OhnmachtszustÀnde und Nahtoderlebnisse können mit ekstatischen Erfahrungen einhergehen.

Andererseits vermögen aber auch zahlreiche sensorische Reize ekstatische oder ekstaseĂ€hnliche Erfahrungen auszulösen. Dazu zĂ€hlen Musik, Tanz (beispielsweise DerwischtĂ€nze, Trancetanz), Trommeln, GesĂ€nge, Lichteffekte (z. B. mittels Mindmachine), berauschende GetrĂ€nke (Soma), Hyperventilation, Sexualtechniken (z. B. Neotantra), Genuss von natĂŒrlichen wie auch synthetischen Rauschmitteln (z. B. MDMA, auch als Ecstasy bekannt, oder Halluzinogene) oder lebensbedrohliche Situationen im Kampf. Heute wird Ekstase hĂ€ufig auf direktem „synthetischem“ Wege durch Musik- und Rauschmittelkonsum ohne religiösen Hintergrund gesucht, auch verbunden mit meditativen Praktiken.

Ziele

Eine Ekstase kann fĂŒr den Betroffenen völlig ĂŒberraschend eintreten und verlaufen oder von ihm geplant und herbeigefĂŒhrt sein. Ekstatiker, die ihre Erlebnisse planmĂ€ĂŸig herbeifĂŒhren oder zumindest gĂŒnstige Voraussetzungen dafĂŒr schaffen, streben oft das Erreichen eines Höhepunkts an, in dem sie das Ziel und die Vollendung des Erlebnisses sehen.

In vielen fernöstlichen Traditionen gilt das Erreichen des absoluten Nichts, des Nirvana, und das damit verbundene Erlebnis der Auflösung der Ich-Identifikation als das höchste Erreichbare. Auch in westlichen Traditionen werden derartige Ziele genannt, daneben aber auch genussreiche Erlebnisse bis hin zu ZustĂ€nden, die als Vergottung (Erleben eigener Göttlichkeit) beschrieben werden. Manche Beschreibungen ekstatischer ZustĂ€nde enthalten auch eine deutlich hervortretende erotische Komponente mit entsprechendem Wortschatz. Den Angaben von Ekstatikern zufolge können die Erlebnisse sowohl Momente tiefster Verzweiflung als auch solche ĂŒberschĂ€umender Lebensfreude umfassen.

Religiöse Ekstase

Schamanen

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Hauptartikel

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Rituelle Ekstase

Schamanen erreichen einen bewusst herbeigefĂŒhrten ekstatischen Zustand mit Hilfe von Ritualen, zu denen sehr oft der Einsatz von Schamanentrommeln, Rasseln, Gesang und Tanz gehört, in manchen Kulturen auch die Einnahme entheogener pflanzlicher Drogen wie Fliegenpilz, Peyote, Ayahuasca und Cannabis. Ziel der schamanischen Reise ist es, Informationen aus normalerweise unzugĂ€nglichen Wirklichkeitsbereichen zu erhalten. Je nach Aufgabenstellung begibt sich der Schamane in die Unter-, Mittel- oder Oberwelt. In der Unterwelt erstrebt er Kontakt zum Erdbewusstsein (Tiere, Pflanzen, Elemente), in der Oberwelt zu rein Geistigem, in der Mittelwelt befasst er sich mit dem sinnlich wahrnehmbaren Bereich. (Siehe auch: Schamanismus.)

Antike Religionen

Dionysos (Bacchus), einer der Ă€ltesten und beliebtesten griechischen Götter, gilt als Bringer ursprĂŒnglicher ekstatischer Erfahrungen durch berauschenden Wein oder erotischen Genuss (vgl. Satyrspiel). Er steht fĂŒr den höchsten ekstatischen Genuss. Aufgepeitschte Wildheit Ă€ußert sich sowohl bei MĂ€nnern in den Bacchanalien wie auch bei Frauen, die als wilde MĂ€naden lebendige Opfertiere zerreißen. SpĂ€ter wird Dionysos in der Orphik als die Hauptgestalt des Erlösers verehrt.

Aus Delphi sind sowohl Schilderungen von Massenekstasen der Thyaden ĂŒberliefert als auch Einzelekstasen. Pythia berauscht sich an den aus der Erdspalte steigenden DĂŒnsten, um dann Orakel zu verkĂŒnden.

Auch der Attiskult wie der Isiskult zĂ€hlen ekstatische Erfahrungen zu ihren Grundelementen. Die Mithrasliturgie schildert ekstatische Erfahrungen in Form von EntrĂŒckungen und Vereinigungen mit der Gottheit, die wie der Atem ein- und ausgestoßen werden.

Neben der kultischen Ekstase gab es auch Ekstaseerlebnisse von Philosophen, deren philosophische Überzeugungen eine metaphysische Dimension hatten und mit religiösen Vorstellungen verbunden waren. Als philosophische Ekstase begegnet sie Heraklit, der sich der rasenden Sibylle zuwandte. Platon machte die Quelle der Kunst in der enthusiastischen EntrĂŒckung fest. Auch Neuplatoniker berichten von ekstatischen Erlebnissen.

Judentum

Der Tanach schildert die ekstatische Vision der Jakobsleiter, die dem Erzvater Jakob auf der Flucht vor Esau im Traum zuteilwird. Es kennt die Gestalt des Navi, also des Propheten, dem Visionen zuteilwerden, aufgrund derer er weissagt. Auch Ekstatikerinnen (Debora) werden geschildert. Auch die großen Propheten, allen voran der in Babylonien aktive Ezechiel, berufen sich auf Visionen und Auditionen (Jes 6 , Jer 1 , Ez 1 ). Die Schilderungen der Apokalyptik basieren wesentlich auf ekstatischer Erfahrung (Buch Daniel).

Auch das rabbinische Judentum kennt ekstatische ZĂŒge und insbesondere der Chassidismus schildert intensive Ekstaseerfahrungen, wobei Baal Schem Tow als wichtigster Ekstatiker gilt.

Islam

Das islamische Schrifttum schildert unterschiedliche EntrĂŒckungen. Die mystischen Orden (Tariqas) der Sufis mit ihren asketischen Praktiken (TĂ€nze, GesĂ€nge) wĂ€hrend des Dhikr (Gedenken an Gott) haben systematische Voraussetzungen fĂŒr ekstatische Erfahrungen geschaffen, ebenso manche schiitische Rituale, zu denen Selbstgeißelungen gehören. In der Strömung des Sufismus ist die Ekstase jedoch nicht das Ziel, sondern lediglich ein mögliches Vehikel, um Gott nĂ€her zu kommen. Die Sufis warnen aber davor, dass das Verhaftenbleiben in der Ekstase wiederum einen Schleier auf dem Weg zu Gott darstellt und so das Erreichen des Ziels erschweren kann.

Hinduismus

Siehe Bhakti und Kirtan

Buddhismus

Siehe Bön

Christentum

Bibel und Alte Kirche

Johannes der TĂ€ufer wird vom Neuen Testament als asketischer Ekstatiker geschildert. Von Jesus werden VerzĂŒckungserlebnisse um seine Taufe (Mk 4) oder seine VerklĂ€rung (Mk 9) berichtet. Ob sie als direkte ekstatische Visionen zu verstehen sind, wird teilweise bezweifelt. Im Urchristentum wachsen Visionen und Auditionen mit dem Pfingstereignis an und begleiten die ersten MĂ€rtyrer (Stephanus). Der Apostel Paulus, selbst seit seiner Bekehrung lebhafter Ekstatiker, lehnt eine Überbetonung dieser Erfahrungen ab.

Die Alte Kirche wie auch die hÀretischen Bewegungen (z. B. Montanismus) kennen zahlreiche teilweise aggressiv auftretende Ekstatiker. Polykarp von Smyrna sah im Traum sein Kopfkissen in Flammen stehen, worauf er sein Martyrium prophezeite.

Die um 500 verfassten Schriften des Pseudo-Dionysius Areopagita, die bis in die Neuzeit als authentische Werke eines ApostelschĂŒlers galten, beschreiben Ekstase als Heraustreten aus sich selbst und Gehobenwerden hin zum ĂŒberwesentlichen Strahl des göttlichen Dunkels.

Mittelalter

Die mittelalterliche SpiritualitĂ€t findet z. B. in Bonaventura 1221–1274 einen FĂŒhrer durch die ekstatische Erfahrung, die er einstuft als Feuer, Salbung, Ekstase, Kontemplation, Verkostung, Ruhe, Herrlichkeit („gloria“). In der Ekstase werde die Seele durch den „betörenden Duft der vorausgehenden Salbung hingerissen und aller leiblichen Empfindungen entrĂŒckt“.

Den flÀmischen Gelehrten Jan van Ruysbroek nannte man aufgrund seiner intensiven BeschÀftigung mit dem PhÀnomen der Ekstase den doctor ecstaticus. Auch Franz von Assisi zÀhlt zu den EmpfÀngern in Ekstase erfahrener Offenbarungen.

Die Frauenmystik, besonders die deutsche Mystik, beschrieb die Höhepunkte ekstatischer Erfahrung im Wesentlichen mit Hilfe erotischer Kategorien. Hier finden entsprechende Passagen des Hohenliedes Aufnahme und Reflexion.
Ekstatische Frömmigkeit und hingebende Verliebtheit verschmelzen bei Mechthild von Magdeburg (1210 bis ca. 1285)

O Du gießender Gott in Deiner Gabe!
O Du fließender Gott in Deiner Liebe!
O Du brennender Gott in Deiner Begier!
O Du schmelzender Gott in der Einigung mit Deiner Geliebten!
O Du ruhender Gott an meinen BrĂŒsten, ohne den ich nicht sein kann!

oder:

O Herr, minne mich gewaltig, oft und lang. Je öfter du mich minnest, umso reicher werde ich. Je gewaltiger du mich minnest, um so schöner werde ich. Je lÀnger Du mich minnest, umso heiliger werde ich hier auf Erden.

Ähnliche Erfahrungen und SehnsĂŒchte schilderten Frauen wie Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta oder MĂ€nner wie Bernhard von Clairvaux.

Meister Eckhart (1260–1328) prĂ€gte fĂŒr das Fremdwort Ekstase die deutschen Äquivalente VerzĂŒckung bzw. EntzĂŒckung.

Neuzeit

Der radikale FlĂŒgel der Reformation verstand die im 15. Jahrhundert aufbrechenden ekstatischen Erfahrungen als geistliche Legitimation fĂŒr sein Vorgehen gegen die etablierte Kirche. Wenn Martin Luther auch die mystische Theologia deutsch veröffentlicht hatte, stand er der Wucht dieses PhĂ€nomens, das in Thomas MĂŒntzer seinen theologischen WortfĂŒhrer fand, verstĂ€ndnislos und mit völliger Ablehnung gegenĂŒber. In reformatorischer RationalitĂ€t prĂ€gte er fĂŒr vom Enthusiasmus inspirierten Ekstatiker die abwertende Bezeichnung „SchwĂ€rmer“.

Umso mehr fand die aufkommende Gegenreformation in dieser Situation einen fĂŒr ekstatische Erfahrungen bereiten NĂ€hrboden, in dem zahlreiche Ekstatiker und Ekstatikerinnen Wurzeln schlugen. Zu ihnen zĂ€hlt Theresa von Ávila (1515–1582), die in der religiösen Ekstase den Unterschied zwischen geistlicher und körperlicher Hingabe nahezu aufhob: Es gibt nur eine Liebe, und eine Stufenfolge schuf von der „Vereinigung“ ĂŒber die „VerzĂŒckung“ bis hinauf zur „Liebeswunde“. Der Bildhauer Gian Lorenzo Bernini hat dieses unzweideutige Ineinanderfallen von körperlichem und geistlichem LustgefĂŒhl in der Statuengruppe VerzĂŒckung der Heiligen Theresa zum Ausdruck gebracht. Ihr eng verbunden und geistlich verwandt war Johannes vom Kreuz. Ein bedeutender Ekstatiker war auch der heilige Philipp Neri.

Zu den namhaften deutschen Ekstatikern zÀhlt Jakob Böhme, der auch in seinen ekstatischen Schilderungen Frömmigkeit und Erotik verschmolz:

die zĂŒchtige Jungfrau
 wird dich fĂŒhren zu deinem BrĂ€utigam, der den SchlĂŒssel hat zu den Toren der Tiefe
 der wird dir geben von dem himmlischen Manna zu essen: das wird dich erquicken und du wirst stark werden und Ringen mit den Toren der Tiefe. Du wirst durchbrechen als die Morgenröte.

Im England des 17. Jahrhunderts war es der VisionĂ€r, Ekstatiker und Wanderprediger George Fox, der Massenekstasen auslöste, die sich in Gestalt eines Zitterns Ă€ußerten, wonach die von ihm gegrĂŒndete Gemeinschaft der Freunde QuĂ€ker (von quake) genannt wurden.

FĂŒr John Wesley und die methodistische Mission bildeten Ekstasen einen PrĂŒfstein ihres Missionserfolges, ĂŒber deren Heftigkeit und StĂ€rke sich Wesley wĂ€hrend seiner Erweckungsreden akribische Notizen anfertigte. Bei den Anfang des 19. Jahrhunderts ausgelösten Gruppen- und Massenekstasen wĂ€hrend der methodistischen Camp Meetings in den USA wurden insbesondere Frauen und Afroamerikaner berĂŒhrt.

Im Rahmen der Charismatischen Bewegung haben ekstatische Erlebnisse wieder an Bedeutung gewonnen, bekanntgeworden unter dem Schlagwort Torontosegen.

Erotische Aspekte

Einige Frauen sahen sich nach ekstatischen Erfahrungen in besonderer Weise als die Geliebten Gottes, wie die Tradition des Hieros gamos, (altgriechisch ጱΔρ᜞ς ÎłÎŹÎŒÎżÏ‚ hierĂłs gĂĄmos „heilige Hochzeit“) oder rĂ€tselhafte ErzĂ€hlungen wie in der Genesis (Gen 6,1-4 ) belegen.

Im Voodoo feiern Frauen Götterhochzeiten bis hin zur Ausstellung von Trauurkunden und der Geburt von Geisterkindern. Nicht immer sind diese mystischen Ekstasen Sublimierungen und „rein symbolisch“ (Walter Nigg).

In Kudagama (Sri Lanka) strömen besessene Frauen auf der Suche nach Heilung zum katholischen Schrein. Bei dem Exorzismus wird der DĂ€mon vertrieben, indem er mit Christus mystisch seinen Platz vertauscht. Dabei „umklammern die Frauen den Schaft des hl. Kreuzes mit den Beinen und masturbieren darauf“. Ziel ist, dass die Durchdringung durch Christus und der Orgasmus zusammenfallen. In diesem Fall gibt es keine symbolische Sublimation, Erotik und Religion fallen in der Ekstaseerfahrung ineinander.cite-ref-5[5]

Psychologie

Außer in der Transpersonalen Psychologie wird das Erleben der Ekstase in psychologischer Literatur meist als Kontroll- und RealitĂ€tsverlust kritisch bewertet. Dabei wird oft nicht zwischen krankhaften PhĂ€nomenen und spirituellen Erfahrungen differenziert.

Nach Karl Leonhard entsteht die Ekstase bei ĂŒbermĂ€ĂŸig starkem Affekt in religiöser EntzĂŒckung, Tanzexzessen und als Zustand höchster BeglĂŒckung bei Angst-GlĂŒcks-Psychosen. Die Bewusstseinslage trĂ€gt in diesem Zustand den Stempel des Traumhaften, es können Offenbarungen erlebt werden.

Ähnliche Bilder sind auch bei Haftpsychosen und bei hysterischen AusnahmezustĂ€nden möglich, hier aber mit deutlichen psychogenen Halluzinationen.

Im desorientierten DĂ€mmerzustand bei Epileptikern sieht man gelegentlich ekstatische EntrĂŒckungen, unter UmstĂ€nden mit kriminellen Handlungen. Die Kranken sehen den Himmel offen, verkehren mit Abwesenden, hören sphĂ€rische Musik, haben als wunderbar beschriebene Geruchs- und Geschmacksempfindungen und ein sexuell gefĂ€rbtes EntzĂŒcken, das den ganzen Körper durchzieht.

In unertrĂ€glichen, psychisch belastenden Situationen kommt bei Schizophrenen geradezu eine Flucht in den DĂ€mmerzustand vor. Es wird eine andere Welt mit direkter WunscherfĂŒllung herbeiphantasiert. Auch hierbei ist ein ekstatischer Charakter der abnormen Wahrnehmung und Beobachtung möglich.

Begriffsabgrenzung zur Enstase

Die erwĂŒnschte Besessenheit durch einen Loa (ein Geistwesen) wird im Voodoo, in Abgrenzung zur Ekstase, als Enstase bezeichnet.cite-ref-6[6] In der Mystik des Daoismus steht der Begriff Enstase hingegen im körperlichen Sinne fĂŒr FĂŒlle, StabilitĂ€t, Ruhe und die angestrebte unbewusste Vereinigung mit der Einheit.cite-ref-7[7]

Literatur

‱ Friedrich Pfister: Ekstase. In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum. Bd. 4, Hiersemann, Stuttgart 1959, Sp. 944–987.
‱ Georges Bataille: Die innere Erfahrung. Matthes & Seitz, Berlin 1999.
‱ Marianna Torgovnick: Primitive Passions: Men, Women, and the Quest for Ecstasy. 2. Auflage. Chicago University Press, 1998, ISBN 0-226-80837-8.
‱ Christa Agnes Tuczay: Ekstase im Kontext. Mittelalterliche und neuere Diskurse einer Entgrenzungserfahrung. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 3-631-57194-1.
‱ Patrick Wells, Douglas Ruschkoff: Stoned Free – How to get High Without Drugs. Loompanics Unlimited, 1995, ISBN 1-55950-126-X.
‱ Richard Reschika: Das Versprechen der Ekstase. Eine philosophische Reise durch das erotische Werk von Georges Bataille und Julius Evola. 2011, ISBN 978-3-89733-233-1.

Weblinks

Wiktionary: Ekstase

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Rainer Neu: Ekstase / Besessenheit. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex)

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Werner D. Fröhlich (Hrsg.): Wörterbuch Psychologie. Überarbeitete und aktualisierte Auflage, dtv, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-423-34625-2. S. 154, Stichwort: „Ekstase“.
cite-note-22. ↑ Walter Hirschberg (BegrĂŒnder), Wolfgang MĂŒller (Redaktion): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage, Reimer, Berlin 2005. S. 91.
cite-note-33. ↑ Peter Dinzelbacher: Ekstase. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 341.
cite-note-44. ↑ Zahlreiche Belege bei Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch, 2. Auflage, Band 5, Berlin 2004, S. 45–49.
cite-note-55. ↑ Richard L. Stirrat: Demonic Possession in Roman Catholic Sri Lanka. In: Journal of Anthropological Research Bd. 33, Nr. 2, 1977, S. 133–157.
cite-note-66. ↑ Andreas GĂ¶ĂŸling: Voodoo: Götter, Zauber, Rituale. Edition Marbuelis 12, 2020, ISBN 978-3-426-77733-6
cite-note-77. ↑ Fabrizio Pregadio (Hrsg.): The Routledge Encyclopedia of Taoism. Band I. Routledge, London (u. a.) 2008. Seite 121, ISBN 978-0-203-69548-7